
Der rasant wachsende Einsatz Künstlicher Intelligenz treibt den Bedarf an Rechenleistung und damit an Halbleitertechnologie weltweit nach oben. Besonders energieintensiv sind das Training großer Basismodelle und der Betrieb der dafür benötigten Rechenzentren. Studien der Internationalen Energieagentur erwarten bis 2030 einen deutlich steigenden Stromverbrauch von Datenzentren. Vor diesem Hintergrund rückt eine Kernfrage in den Fokus von Politik und Industrie: Wie lässt sich die exponentiell wachsende digitale Rechenleistung mit einem vertretbaren Energieeinsatz verbinden?
Eine zentrale Rolle kommt dabei der Chipfertigung zu – und damit Unternehmen wie Applied Materials. Der US-Konzern entwickelt Fertigungsanlagen und Materialtechnologien für die Halbleiterproduktion und beliefert große Hersteller wie TSMC, Intel und Samsung. Im Zentrum stehen fortschrittliche Prozessschritte wie Abscheidung, Ätzen und Inspektion, die es ermöglichen sollen, Chips leistungsfähiger und zugleich effizienter zu machen. Nach Unternehmensangaben zielt die Technologie darauf ab, mehr Rechenleistung bei geringerem Energieverbrauch zu realisieren, damit die KI-Expansion nicht an physikalische und energetische Grenzen stößt.
Besonders dynamisch entwickelt sich derzeit das DRAM-Geschäft von Applied Materials. Der Speicherbereich ist auf rund ein Drittel des Umsatzes im Segment Halbleitersysteme angewachsen und gilt im Unternehmen als schnellste Wachstumssäule. Technologische Übergänge zu dichter gepackten Strukturen wie 6F2 und künftigen 3D-DRAM-Architekturen erhöhen die Komplexität der Fertigungsprozesse – und damit die Nachfrage nach hochspezialisierter Wafer-Fertigungsausrüstung. Gleichzeitig sorgt der weltweite Bedarf an High-Bandwidth-Memory für KI-Anwendungen dafür, dass Kunden aggressiv in neue DRAM-Knoten investieren.
Um seine Position in diesem Markt zu sichern, setzt Applied Materials auf enge Partnerschaften mit führenden Speicherherstellern. Mit SK hynix hat der Konzern eine langfristige F&E-Kooperation vereinbart, die Innovationen bei DRAM und High-Bandwidth-Memory beschleunigen soll. Im Fokus stehen neue Materialien, fortschrittliche Prozesstechnologien und 3D-Verpackungskonzepte, um Leistung und Effizienz von Speicher für KI-Anwendungen zu steigern. Parallel dazu arbeitet Applied Materials mit Micron in den USA an der Weiterentwicklung von DRAM-, HBM- und NAND-Technologien. In dieser strategischen Partnerschaft fließen das Prozess-Know-how von Applied Materials und die Fertigungskapazitäten des Speicherherstellers zusammen, um Speicherlösungen der nächsten Generation für das KI-Zeitalter zu entwickeln.
Für Anleger in Märkten wie Deutschland, Österreich und der Schweiz eröffnet diese Entwicklung eine Möglichkeit, indirekt am globalen KI- und Halbleiterboom zu partizipieren, der in den heimischen Leitindizes nur begrenzt abgebildet ist. Gleichzeitig zeigt sich an Applied Materials exemplarisch, wie stark wirtschaftliche Chancen und energiepolitische Herausforderungen im KI-Zeitalter miteinander verflochten sind: Die Nachfrage nach Rechenleistung treibt Investitionen in modernste Fertigungsanlagen – und zwingt die Branche dazu, jede neue Chip-Generation nicht nur schneller, sondern vor allem effizienter zu machen.

Die europäischen Aktienmärkte sind zum Wochenauftakt deutlich unter Druck geraten. Nach dem vorläufigen Scheitern der direkten Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran und der von US-Präsident Donald Trump angekündigten Seeblockade in der Straße von Hormus weiteten die Leitindizes ihre Verluste im frühen Handel aus. Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 fiel rund eineinhalb Stunden nach Handelsstart um 0,98 Prozent auf 5.868,19 Punkte, der DAX gab um 0,97 Prozent auf 23.572,06 Zähler nach.
Die jüngste Zuspitzung der Lage im Persischen Golf treibt die Ölpreise spürbar nach oben: In der Nacht auf Montag stieg der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni wieder über die Marke von 100 US‑Dollar. Die Verteuerung von Energie hatte bereits an den asiatischen Börsen Spuren hinterlassen und setzt nun auch die europäische Notierung unter Druck. Analyst Frank Sohlleder vom Handelshaus ActivTrades sprach von einem „explosiven geopolitischen Gemisch“ mit massiven Risiken; die Straße von Hormus bleibe als zentrales Nadelöhr unter Kontrolle Teherans blockiert, während die US‑Administration ihrerseits mit aggressiven Blockaden drohe.
Auslöser der jüngsten Spannungswelle waren erfolglose direkte Gespräche zwischen Washington und Teheran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Für diesen Montag kündigte das US‑Militär auf Trumps Anordnung eine Blockade von Schiffen an, die iranische Häfen in der Straße von Hormus anlaufen oder von dort auslaufen. Die Passage von Schiffen ohne iranischen Start- oder Zielhafen solle laut US‑Militär nicht beeinträchtigt werden. Trump will damit verhindern, dass Iran Transitgebühren für die Meerenge erhebt und das Land zugleich von Öleinnahmen abschneiden. Teheran reagierte mit scharfer Rhetorik: Der Sprecher des Sicherheitsausschusses im iranischen Parlament, Ebrahim Rezaei, bezeichnete die Ankündigung auf der Plattform X als Bluff und warnte, eine solche Blockade würde als Militäroperation gewertet. Die Revolutionsgarden erklärten, ein Nähern von Militärschiffen an die Straße von Hormus würde als klarer Verstoß gegen die Waffenruhe angesehen.
Vor diesem Hintergrund agieren Investoren an den europäischen Märkten vorsichtig bis defensiv. Zwar rechnen viele Marktteilnehmer laut Sohlleder damit, dass beide Seiten „zähneknirschend“ an den Verhandlungstisch zurückkehren, doch die akute Gefahr einer weiteren Eskalation gilt als hoch. Neben den geopolitischen Risiken belasten auch unternehmensspezifische Faktoren einzelne Werte im DAX und MDAX: Am DAX‑Ende standen Deutsche Telekom nach einem Analystenkommentar der US‑Bank JPMorgan mit einem Minus von 2,3 Prozent, da über den Aussichten des US‑Geschäfts laut Analyst Akhil Dattani „Wolken“ hingen. Im MDAX zählten Nemetschek mit einem Kursrückgang von knapp sieben Prozent zu den größten Verlierern, nachdem die Großbank UBS die Aktien zum Verkauf empfahl und Analyst Michael Briest auf Risiken langjähriger Verträge des Bausoftware-Anbieters hinwies.