Schweizer KI-Arbeitsmarkt legt um ein Drittel zu

08.10.2026


Der Schweizer Arbeitsmarkt für künstliche Intelligenz wächst in hohem Tempo. Zwischen Juli 2025 und Juni 2026 wurden knapp 5000 KI-Stellen ausgeschrieben, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der Hochschule Luzern (HSLU) zeigt. Das entspricht einem Plus von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Künstliche Intelligenz etabliere sich damit als Querschnittstechnologie in verschiedenen Branchen, heisst es in der Auswertung.

Besonders stark treiben kleine und mittlere Unternehmen (KMU) den Ausbau voran. Sie waren laut Studie für 76 Prozent des Stellenzuwachses verantwortlich. "KI ist nicht mehr nur Sache grosser Technologieunternehmen, sondern fliesst zunehmend auch in die Prozesse und Angebote etablierter KMU ein", wird Studienautor Curdin Derungs zitiert. Die Nachfrage konzentriert sich dabei auf erfahrene Fachkräfte, die KI-Systeme entwickeln und im laufenden Betrieb einsetzen können.

Branchenübergreifend liegt die IT-Industrie an der Spitze: Sie schrieb 1211 KI-Stellen aus, ein Zuwachs von 49 Prozent. Gleichzeitig suchen Banken und Versicherer wie Axa, Julius Bär und die Schweizerische Nationalbank verstärkt nach KI-Spezialisten. In der Pharmaindustrie treten Konzerne wie Roche, Novartis und Lonza als wichtige Arbeitgeber auf, während im Ingenieurwesen Unternehmen wie Siemens, Hitachi Energy und ABB die Nachfrage prägen. Den stärksten prozentualen Anstieg verzeichnet allerdings der öffentliche Sektor mit einem Plus von 67 Prozent. Zu den grössten staatlichen Arbeitgebern zählen der Kanton und die Stadt Zürich sowie das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Derungs sieht darin ein Signal, dass Politik und Verwaltung ihr Vertrauen in KI als Zukunftstechnologie festigen.

Regional bündelt sich der Boom vor allem im Grossraum Zürich. Der Kanton vereinte mit 2181 Ausschreibungen rund 45 Prozent aller KI-Stellen in der Schweiz auf sich. Dahinter folgen Genf mit rund 620 und Bern mit rund 590 offenen Positionen. Während sich damit neue Chancen für qualifizierte Fachkräfte ergeben, bleibt der Einstieg für Berufseinsteiger anspruchsvoll: Gefragt sind vor allem Profile mit ausgewiesener Erfahrung, die bestehende Geschäftsprozesse mit KI-Anwendungen erweitern oder neu aufsetzen können.

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Berliner Linke in der Kritik: Koalitionsgespräche scheitern vorerst am Antisemitismus-Thema

08.10.2026


Die Bildung einer neuen Landesregierung in Berlin bleibt vorerst ungewiss. Linke, Grüne und SPD konnten sich zweieinhalb Wochen nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus weiterhin nicht auf eine gemeinsame Linie im Umgang mit Antisemitismus verständigen. Nach dem dritten sogenannten Vorgespräch verließ die Spitze der drei Parteien am Mittwochnachmittag den Tagungsort ohne öffentliche Stellungnahme. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gilt eine Einigung in der Frage als zentrale Voraussetzung, um in formelle Sondierungsgespräche über eine mögliche Regierung unter Führung der Linken einzusteigen.

Bereits für Donnerstag ist ein weiteres Treffen angesetzt. Ziel ist es, in dem seit geraumer Zeit in Berlin heftig diskutierten Themenkomplex voranzukommen. Vor allem Teile der Berliner Linken stehen seit längerem wegen Positionen zu Israel, Palästina und zum Thema Antisemitismus in der Kritik. Dabei geht es insbesondere um Äußerungen einzelner Parteimitglieder, die öffentlich als antisemitisch eingestuft oder entsprechend kritisiert wurden. Ohne eine belastbare Verständigung auf gemeinsame Grundsätze wollen SPD und Grüne nach eigener Darstellung den nächsten Schritt hin zu einem möglichen Regierungsbündnis nicht gehen.

Zusätzliche Brisanz erhielt die Debatte durch eine Wahlparty der Neuköllner Linken am 20. September. Dort waren nach dpa-Informationen sowohl ein Oberhaupt eines arabischstämmigen und zum Teil kriminellen Clans als auch ein umstrittener propalästinensischer Aktivist anwesend. Letzterer soll der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) nahestehen, die von der EU als Terrororganisation eingestuft wird. Der Vorfall hat bei den potenziellen Koalitionspartnern für erhebliche Irritationen gesorgt und den Druck auf die Linke erhöht, sich klarer zu Antisemitismus, Rassismus und organisierter Kriminalität zu positionieren.

SPD und Grüne verlangen vor Beginn offizieller Sondierungen eine verbindliche Verständigung zu diesen Themenfeldern. Sondierungen sind die Vorstufe zu formalen Koalitionsverhandlungen, in denen ein Regierungsprogramm und die Ressortzuschnitte ausgehandelt würden. Ohne Konsens über den künftigen Kurs im Kampf gegen Antisemitismus und im Umgang mit problematischen Milieus in der Stadt bleibt der Weg zu einem möglichen Rot-Grün-Roten Bündnis aber blockiert. Welche Alternativen zu einem solchen Bündnis am Ende realistisch wären, ist bislang offen; entscheidend bleibt vorerst, ob die drei Parteien in der strittigen Grundsatzfrage noch zu einer gemeinsamen Linie finden.