Koalition unter Beobachtung: Stocker hält an Babler als Ansprechpartner fest

08.10.2026


Der angekündigte Teil-Rückzug von Vizekanzler und SPÖ-Chef Andreas Babler hat die Debatte über die Stabilität der österreichischen Bundesregierung neu entfacht. Während die Sozialdemokraten ihren innerparteilichen Übergangsprozess organisieren, bemühen sich die Koalitionspartner ÖVP und NEOS, das Signal größtmöglicher Kontinuität auszusenden. Bundeskanzler Christian Stocker betonte wiederholt, parteiinterne Diskussionen dürften die Arbeit der Regierung nicht beeinträchtigen. Sein zentraler Anspruch sei es, die Handlungsfähigkeit und Stabilität des Kabinetts sicherzustellen.

Die ÖVP hatte bereits am Montagvormittag ihre Länderchefs zu Beratungen zusammengeschaltet, um eine einheitliche Reaktion auf die neue Lage in der SPÖ abzustimmen. Laut der vorgegebenen Linie Stockers soll das Regierungsprogramm „konsequent“ weiter abgearbeitet werden. Der Kanzler fordert von der SPÖ, sich nun einem von ihm ausgerufenen „Herbst der Ergebnisse“ zu widmen. Im Fokus stehen dabei die Stärkung des Wirtschaftsstandorts, die Fortführung der Reformpartnerschaft sowie Projekte wie die Sozialhilfereform, das geplante Zukunftsdepot und das Verbot des politischen Islam. Staatsverantwortung müsse über Parteipolitik stehen, heißt es aus dem Kanzleramt.

Trotz der Personaldebatte in der SPÖ vermeidet Stocker offene Kritik am gewählten Übergangsmodus. Der von den Sozialdemokraten definierte Prozess sei deren interne Angelegenheit, ließ er wissen. Für die laufende Regierungsarbeit bleibe sein Ansprechpartner unverändert der Vizekanzler, also weiterhin Andreas Babler. Auf Spekulationen über mögliche Neuwahlen reagiert der Kanzler ausweichend: Die Koalition funktioniere und arbeite, lautet die offizielle Botschaft. Auch in den Reihen der ÖVP wird nach außen hin überwiegend Zurückhaltung geübt; manche Landesorganisationen verwiesen schlicht auf die Linie der Bundespartei, andere verzichteten gänzlich auf Kommentare.

Unterdessen mahnen die NEOS Tempo bei den Reformvorhaben ein. Parteichefin und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger betonte, Personalentscheidungen der SPÖ seien deren Sache, stellte aber klar, dass es für eine verlässliche Zusammenarbeit „klare Verhältnisse“ brauche. Mehrmonatige Übergangsprozesse trügen nicht zur erforderlichen Klarheit bei, kritisierte sie. Österreich könne sich keinen politischen Stillstand leisten, mehrere Reformprojekte müssten „ohne weitere Verzögerung“ abgeschlossen werden. Auch aus den Ländern kommen mahnende Töne: Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner, derzeit Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz, sieht die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung „auf dem Prüfstand“, verweist zugleich aber darauf, dass ein Abarbeiten des Regierungsprogramms oberste Priorität habe.

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Deutsche Bischöfe beenden Beratungen zu Demokratie, Missbrauchsaufarbeitung und Laienbeteiligung

08.10.2026


Mit einem Gottesdienst und einer Abschlusspressekonferenz endet an diesem Donnerstag in Fulda die Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Unter der Leitung ihres neuen Vorsitzenden, des Münsteraner Bischofs Heiner Wilmer, haben die katholischen Bischöfe seit Montag eine Vielzahl gesellschafts- und kirchenpolitischer Themen beraten. Auf der Agenda standen Fragen der demokratischen Kultur in Deutschland, die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs, ethische Konfliktfelder wie Leihmutterschaft sowie der Umgang mit neuer Technologie wie Künstlicher Intelligenz. Hinzu kamen innerkirchliche Schwerpunkte wie die Entwicklung der Erwachsenentaufen, die Mitwirkung von Laien und der Einsatz in sozialen Medien.

Deutlich positionierten sich die Bischöfe zum politischen Klima im Land. Wilmer warnte mit Blick auf eine mögliche Regierungsbeteiligung der AfD in Sachsen-Anhalt vor einem „Paradigmenwechsel“. Die Partei stelle die Grundwerte des gesellschaftlichen Zusammenlebens infrage und wolle „ein anderes Deutschland“, sagte der Vorsitzende zum Abschluss der Beratungen. Besonders kritisch sehen die Bischöfe, dass einige Positionen der AfD aus ihrer Sicht mit dem christlichen Glauben und dem zugrunde liegenden Gottes- und Menschenbild nicht vereinbar seien.

Der DBK-Vorsitzende stellte sich demonstrativ hinter den Magdeburger Bischof Gerhard Feige und das Bistum Magdeburg, vor allem mit Blick auf Spekulationen über mögliche Folgen einer AfD-geführten Landesregierung. Diskutiert wird in diesem Zusammenhang, ob etwa der Einzug der Kirchensteuer zur Disposition stehen könnte. Die Kirche müsse „mit allem rechnen“ und stelle sich so auf, „dass wenn große Erschütterungen kommen sollten, wir gewappnet sind“, betonte Wilmer. Es dürfe nicht sein, dass ein Bistum durch politische Weichenstellungen im Nachteil sei.

Die Bischöfe sehen sich zugleich mit einem Stimmungsumschwung in Teilen ihrer eigenen Basis konfrontiert. Nach Aussage Wilm ers ist es „erschreckend“, wenn rund 30 Prozent der Katholikinnen und Katholiken in Ostdeutschland die AfD wählen, die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuft ist. Als Antwort auf wachsenden Antisemitismus und gesellschaftliche Polarisierung verweist die Bischofskonferenz auf die jüdisch-christliche Tradition, auf Menschenwürde und Solidarität. Auftrag der Kirche sei es, mit den Menschen zu reden, ihnen zuzuhören und so den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.

Neben der politischen Lage blieb die Kirche bei der Vollversammlung auch mit eigenen Reform- und Krisenthemen befasst. Die Bischöfe berieten über weitere Schritte bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch und diskutierten, wie Laien stärker an Entscheidungsprozessen beteiligt werden können. Zudem rückten neue Handlungsfelder in den Blick: Die wachsende Bedeutung von Social Media und der Einsatz Künstlicher Intelligenz in Pastoral und Verwaltung werfen für die Kirche Fragen nach Verantwortung, Transparenz und ethischen Leitplanken auf. Die Beschlüsse und Leitlinien der Konferenz sollen in den kommenden Monaten in den Diözesen konkretisiert werden.