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Die deutschen Industrieunternehmen haben zu Beginn des Jahres einen deutlichen Rückgang bei den Auftragseingängen verzeichnet. Wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte, fiel der Auftragseingang im Januar im Monatsvergleich saison- und kalenderbereinigt um 11,1 Prozent. Diese Entwicklung übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich, die im Schnitt nur einen Rückgang um 4,3 Prozent prognostiziert hatten.
Zudem revidierte das Bundesamt die Daten für den Vormonat Dezember nach unten. Der zuvor gemeldete Anstieg des Auftragseingangs um 7,8 Prozent wurde auf nur noch 6,4 Prozent korrigiert. Im Jahresvergleich stieg der Auftragseingang im Januar um 3,7 Prozent, was jedoch ebenfalls unter den Erwartungen der Analysten lag, die einen deutlich stärkeren Zuwachs erwartet hatten.
Die enttäuschenden Konjunkturdaten aus Deutschland haben auch Auswirkungen auf die Finanzmärkte gezeigt. Enttäuschende Auftragseingangs- und Produktionsdaten in der größten Volkswirtschaft der Eurozone belasteten die europäische Gemeinschaftswährung. Die Entwicklung unterstreicht die anhaltenden wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen die deutsche Industrie steht.
Die unerwartet schwache Entwicklung bei den Industrieaufträgen deutet auf eine anhaltende Verunsicherung in der deutschen Wirtschaft hin. Analysten wurden von der Stärke des Auftragsdämpfers überrascht, was Fragen nach der weiteren konjunkturellen Entwicklung aufwirft. Die revidierten Dezemberdaten und der schwache Januar-Auftragseingang lassen auf eine volatilere Phase für die deutsche Industrie schließen, deren Auswirkungen auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum noch zu beobachten sein werden.

In Deutschland ist die Zahl der Organspender im vergangenen Jahr leicht gestiegen – der Bedarf bleibt jedoch deutlich höher. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) haben 985 Menschen nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe gespendet, ein Plus von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt wurden damit mehr als 3.000 Organe übertragen. Gleichzeitig stehen laut DSO rund 8.200 Patientinnen und Patienten auf den Wartelisten und warten oft vergeblich auf ein Spenderorgan.
Die DSO und die Landesärztekammer Hessen nehmen diese Diskrepanz zum Anlass, in einer Veranstaltung in Frankfurt die Wirkung von Organspenden sichtbar zu machen. Empfängerinnen und Empfänger schildern dort, wie Transplantationen ihr Leben verändert haben, Angehörige berichten, wie sie die Entscheidung zur Spende getroffen haben. Ziel ist es, die abstrakte Statistik mit persönlichen Erfahrungen zu verbinden – und damit mehr Menschen zu motivieren, sich frühzeitig mit der eigenen Haltung zur Organspende zu beschäftigen und diese zu dokumentieren.
Ein Beispiel dafür ist Lea Jantschke. Ihre Mutter starb 2020 plötzlich an einem Hirnaneurysma, die Familie entschied sich zur Organspende. Ein Jahr später erhielt Jantschke den ersten Brief eines Empfängers der Niere ihrer Mutter. Der Kontakt erfolgt anonym, doch der emotionale Effekt ist für die Angehörigen groß. Der Brief sei für sie „wie ein kleiner Gruß“ von der Mutter gewesen, sagt die 27-Jährige. Das Schreiben habe ihrer Familie in der Trauerphase Halt gegeben, der Gedanke, die Mutter sei nun „ein Teil von dieser Familie“, habe sie besonders berührt.
Gleichzeitig macht die DSO deutlich, wie hoch der Druck auf Angehörige ist, wenn keine dokumentierte Entscheidung des Verstorbenen vorliegt. In den meisten Fällen hätten sich Betroffene zu Lebzeiten nicht mit dem Thema Organspende auseinandergesetzt, erläutert die Stiftung. Dann müssen Angehörige in einer emotionalen Ausnahmesituation und unter Zeitdruck entscheiden – häufig mit dem Ergebnis, dass sie eine Spende ablehnen, weil der Wille der verstorbenen Person nicht bekannt ist. Ärztliche Vertreter der DSO werben deshalb nachdrücklich dafür, den eigenen Standpunkt zur Organspende zu Lebzeiten festzuhalten, um sowohl Wartende auf ein Organ als auch die eigenen Angehörigen zu entlasten.